WER WIR SIND

Archivarbeit 002. Beispiel Hannah G.

Sinti und Roma: die Geschichte einer Minderheit zwischen Stigmatisierung, Verfolgung und Selbstbehauptung

Was macht unsere Projektarbeit aus?

Die Ziel des projektorientierten, forschenden Lernens liegt darin, dass Jugendliche und junge Erwachsene über schulisch-curriculare Vorgaben hinausgehend den Weg des Lernprozesses selbst mitgestalten und ihre Erkenntnisse und Erfahrungen weiterentwickeln.
Lernen wird dabei im Sinne einer historisch-politischen Bildung als ein Prozess verstanden. Ziel ist es, vergangene – und folglich auch gegenwärtige – gesellschaftliche Wirklichkeiten kritisch zu reflektieren und so Mechanismen gesellschaftlich-politischer Herrschaftsverhältnisse verstehen zu können.
Indem sich die Projektgruppen über ihre regional- und lokalgeschichtlichen Recherchen mit Dokumenten aus der Zeit des „Dritten Reichs“ beschäftigen, gewinnen sie auch grundlegende Einblicke in die Strukturen eines diktatorischen Systems mit totalitärem Herrschaftsanspruch.
Unsere Projektarbeit ist grundsätzlich dialogisch konzipiert: die Auseinandersetzung mit der Thematik findet im gegenseitigen Austausch zwischen engagierten Schüler:innen, Student:innen und den sie begleitenden Lehrer:innen – als Team der BrechtGeschichtswerkstatt:
Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden zu Multiplikator:innen des Erlernten – sowohl mit Blick auf die Schulgemeinde, als auch auf eine breitere Öffentlichkeit.

Womit beschäftigen wir uns in diesem Projekt?

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte einer Minderheit, die geprägt ist von einer besonderen Stereotypisierung, getragen von Ressentiments und Stigmatisierung durch die Mehrheitsgesellschaft, erfordert einen sprachsensiblen und kritisch-reflexiven Umgang mit den historischen Dokumenten. In unseren biografischen Erkundungen  können wir aufzeigen, was es für Sinti und Roma bedeutete, von Ausgrenzung, Verfolgung und Deportation bedroht zu sein. Auch die Fragen zur Stereotypisierung und zur gesellschaftlichen Konstruktion des „Zigeuners“ werden an Beispielen untersucht, um das Typische an sprachlich-gesellschaftlichen Diffamierungen und ihre Wirkungsmechanismen zu erkennen.

In unserer Projektarbeit beschäftigen wir uns mit edierten und unedierten Dokumenten: neben den veröffentlichten Überlieferungen von Sinti und Roma (Erinnerungen, Zeitzeugengespräche) und den Darstellungen aus Wissenschaft und Literatur lesen wir unveröffentlichte Originaldokumente aus den Archiven. So recherchieren wir zur Verfolgung und Deportation im „Dritten Reich“ in digitalisierten Quellen aus dem International Center on Nazi Persecution / Bad Arolsen (Arolsen Archives) und in Prozess- und Entschädigungsakten v.a. aus den Staatsarchiven Darmstadt und Wiesbaden.
Die Jugendlichen erproben und präsentieren ihre Arbeitsergebnisse und Erfahrungen nicht nur vor der Schulgemeinde, sondern stellen sich der Diskussion auch über die Schule hinaus, wenn sie ihre Überlegungen, Fragen, Standpunkte in öffentlichen Veranstaltungen vortragen oder während der Exkursion nach Dachau und Heidelberg mit (Zeit-)Zeugen und Fachleuten erörtern.

Wie und wann stellen wir unsere Rechercheergebnisse und Erfahrungen vor?

Der Prozess unserer Arbeit, die Ergebnisse der Recherchen sowie die Erfahrungen der engagierten Jugendlichen stellen wir in Video-Gesprächen, Podcasts, in Vorträgen und Lesungen sowie in Form von Essays, Aufsätzen und kommentierten Zusammenstellungen der erforschten Originaldokumente hier auf dieser Webseite vor.

Eine analoge Veranstaltung zu diesem Thema mit Diskussionen und Vorträgen ist für Ende Mai/Anfang Juni 2022 als Begleitprogrammpunkt zur Ausstellung „Der Weg der Sinti und Roma“ in Neuen Foyer der Bertolt-Brecht-Schule vorgesehen – in Kooperation mit dem Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Hessen.

Projektleitung: Bernhard Schütz, Kirsti Ohr (BrechtGeschichtswerkstatt / Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V.)
Öffentlichkeitsarbeit und Medienberatung: Rainer Lind


Roxana
Jessica
Merle

Wesentlich für unsere Projektarbeit ist die Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Hessen (Ausstellung, Gedenkveranstaltungen, Fortbildungen, fachliche Beratung). Exkursionen zum Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg sind Teil der Projektarbeit, wie auch eine mehrtägige Studienfahrten zur KZ-Gedenkstätte Dachau – inkl. Workshops im Max-Mannheimer-Studienzentrum Dachau.


Exkursion // Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma. Fotos: Andreas Pflock